AbsolventenGuide SS2005 | Führungsnachwuchs an der Schnittstelle zwischen Technologie und Management
13. June 2005, Press Coverage
Matthias Möller, Assistent am Center for Digital Technology and Management (CDTM), betritt den Seminarraum eines Tagungshotels in der Nähe von Salzburg. In der Hand einen alten Kassettenrekorder, aus dem in hoher Lautstärke traditionelle chinesische Musik klingt. Die versammelten Studenten des neuen Jahrgangs beobachten Matthias, wie er wortlos den Rekorder auf einen Tisch in der Mitte des Raumes stellt und sich setzt. Die Nachmittagssonne scheint durch die großen Fenster auf die gespannten Gesichter. Neugierige Augen richten sich auf den CDTM Assistenten. Dieser blickt unverbindlich zurück. Die Musik läuft weiter. Nach ein paar Minuten werden die ersten Studenten unruhig. Werfen sich Blicke zu. Neugier weicht Verwirrung. Nach nicht mal zehn Minuten erreicht die wachsende Anspannung eine solche Intensität, dass plötzlich eine Studentin ungehalten aufspringt und ruft: „Sollen wir den jetzt ausschalten oder was?“. Matthias steht auf und schaltet die Musik aus. Erleichterung. In der anschließenden, moderierten Diskussion löst sich die Anspannung vollends. Die Studenten erörtern, wie man mit überraschenden und schwer einschätzbaren Situationen umgehen kann, und was es heißt, Initiative zu ergreifen.
Das CDTM ist anders
Dass das CDTM anders ist, wird den zwanzig neuen Studenten an diesem so genannten Kick-Off Wochenende zur Begrüßung und Einführung des neuen Jahrgangs sehr schnell bewusst. Bernhard Kirchmair, im Führungsteam des CDTM, fasst diesen Eindruck in Worte: „Wir wollen unsere Studenten an diesem Wochenende insbesondere dazu anstoßen, aus dem sonst oftmals so passiven universitären Kontext auszubrechen. Wir wollen sie überraschen, verwirren und zur Reflexion anregen und ihnen dabei Werte wie Eigeninitiative, Offenheit, Interdisziplinarität und den Willen zu kreativem Denken und Handeln vermitteln“.
Das CDTM ist eine Lehr- und Forschungseinrichtung, getragen von neun Lehrstühlen der beiden bayrischen Top-Universitäten, der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Technischen Universität München. Vor acht Jahren aus einer Kooperation mit dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Bosten hervorgegangen, ist das CDTM seit Herbst 2004 Mitglied im Elitenetzwerk Bayern und bildet damit gemeinsam mit den anderen Studiengängen des Elitenetzwerkes eine Entwicklungsplattform für die Eliteausbildung. Das CDTM bietet in diesem Rahmen einen über vier Semester zusätzlich zum regulären Hauptstudium besuchten, interdisziplinären und international ausgerichteten Studiengang „Technology Management“ an. Dieser richtet sich an die besten 5% Studierenden der Fachrichtungen Informatik, Elektrotechnik und Betriebswirtschaftslehre und beschäftigt sich mit Fragestellungen aus dem Bereich von digitalen Technologien und Management.
Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Manfred Broy, Mitglied im Direktoren-Board des CDTM, fasst die Ausrichtung des Programms folgendermaßen zusammen „Das Management in der High-Tech-Industrie ist in starkem Maße eine Querschnittsaufgabe. Den hohen fachlichen und persönlichen Anforderungen der Branche kann weder der Techniker noch der Ökonom allein genügen. Wer sich am Markt in führender Position behaupten will, braucht technologische, wirtschaftliche und soziale Kompetenzen gleichermaßen. Diesen Bedarf adressieren wir.“
Im gänzlich englischsprachigen Curriculum, das aus Seminaren, Workshops, Case Studies und Vorträgen besteht, werden Studierende gezielt darauf vorbereitet, unterschiedliche Sichtweisen und effiziente Problemlösungen in ihr Analysieren und Handeln einzubinden. Neben umfassenden fachlichen Inhalten, werden jene Qualifikationen vermittelt, die in der klassischen Lehrstruktur staatlicher Universitäten oft zu kurz kommen: Entrepreneurship, Teamfähigkeit, Führungskompetenz, und die Beherrschung komplexer Situationen unter Zeitdruck. Dabei lernen die Studierenden in kleinen Gruppen und mit intensiver Unterstützung und Betreuung durch Dozenten und Praxispartner, sich in einem internationalen, dynamischen Umfeld zu bewegen. Unter den Lehr- und Forschungspartnern aus der Praxis, die finanzielle und ideelle Unterstützung einbringen, finden sich namhafte Unternehmen wie Allianz, AT Kearney, The Boston Consulting Group, Deutsche Telekom, HypoVereinsbank, McKinsey, Siemens, oder Vodafone Pilotentwicklung.
Innovative Lehre in einem internationalen Umfeld
Studierende im ersten Semester befassen sich in Teams intensiv mit ausgewählten Technologietrends, bewerten diese und erfassen und analysieren Entwicklungen. Die Ergebnisse werden in einem Buch, dem CDTM Trendreport, publiziert. Im zweiten Semester entwickeln Studierende ein eigenes Produkt bis zum Prototypen und erfahren dabei unterstützt durch entsprechende Case Studies und Vorträge von Industrieexperten welche Herausforderungen die moderne Produktentwicklung an Managementfunktionen stellt. Im dritten Semester ist ein Auslandspraktikum oder ein Auslandsaufenthalt an Universitäten wie der MIT Sloan School of Management, der UC Berkeley, der École Nationale Supérieure des Télécommunications in Paris oder der Waseda University in Tokyo eingeplant. Die erlebten Erfahrungen können die Studierenden dann im vierten Semester im Zuge eines halbjährigen Beratungsprojektes im Top-Management junger High-Tech-Unternehmen einbringen und vertiefen.
Das CDTM sieht sich in der deutschen Hochschullandschaft als Vorreiter bei der Entwicklung und Umsetzung von innovativen Kursformaten. „Im Kontext der Eliteförderung halten wir für eine ganzheitliche Ausbildung von Studenten das Prinzip der Durchführung von Standardkursen in komprimierter Zeit für nicht zielführend. Wir setzen stattdessen auf Innovation und Unkonventionalität in der Lehre um einen echten Mehrwert zu realisieren“, meint Kirchmair. Dementsprechend begehrt sind CDTM Absolventen bei Arbeitgebern. „Aufgrund der starken Vorselektion, der fundierten Zusatzausbildung im Bereich soft skills und der Fachkompetenz im Bereich Technologiemanagement sind CDTM Absolventen für uns sehr interessant“, urteilt Dr. Marcel Wagner von Siemens Corporate Technology in München.
Nähere Informationen zum Studiengang gibt es unter www.cdtm.de. Die Bewerbungsmodalitäten und Fristen werden auf der genannten Website rechtzeitig bekannt gegeben. Die Aufnahme neuer Studenten ist in jedem Semester möglich, aktuell im Wintersemester 2005/2006.
Realizing Digital Convergence – Ein Joint Kurs zwischen der UC Berkeley und dem CDTM
In die Reihe der innovativen Kursformate des CDTM fügt sich das Seminar „Realizing Digital Convergence“, das im Herbst 2004 zusammen mit der School of Information Management and Systems (SIMS) an der UC Berkeley durchgeführt wurde. Im Rahmen des Kurses sollten Möglichkeiten und Trends zur Ergänzung der publizistischen Vielfalt, Kostenreduktion und Erschließung neuer Erlösmöglichkeiten im Medienbereich aufgezeigt werden. Im ersten Kursteil wurden entsprechende theoretische Grundlagen der Branchen- und Markstrukturen, sowie der existierenden Produktplattformen vermittelt. Die Veranstaltungen fanden örtlich verteilt auf beiden Kontinenten statt und wurden über Videokonferenz-Technologien übertragen. Der zweite Kursteil bestand aus dem „Long Development Weekend“. Vier Tage lang arbeiteten studentische Teams in München und Berkeley gemeinsam an einem konvergenten Medienprodukt, das Redaktionsprozesse und Interaktivitätsmöglichkeiten für Nutzer von Print, Internet und Mobile abgebildet hat. Diese zeitlich und örtlich versetzte Zusammenarbeit führte dabei zu gänzlich neuen Herausforderungen. Effiziente Kommunikation und Koordination rein über elektronische Mittel (E-Mail, Instant Messaging, Voice over IP, File Sharing) oder der Überwindung kultureller Barrieren sind Problemfelder, die in der herkömmlichen Universitätslandschaft selten adressiert werden. Somit war das Agieren in globalen Zusammenhängen, in interdisziplinären Teams und unter hohem Zeitdruck Lernziel dieses Kurses.
By: Nadine Schmidt





